[Schreibtagebuch] Die Maisfelder – Teil 1

23:05 Tinten Hexe 0 Kommentare

Hallo ihr Lieben

Einen Sinn muss es doch haben, dass ich Tag für Tag hunderte, wenn nicht tausende Worte zu Papier bringe. Bisher waren es allerhöchstens Familienmitglieder, die etwas davon zu Gesicht gekriegt haben. Doch nun habe ich euch und erschrecke euch mal mit diesem Nicht-Überarbeiteten Text aus dem Jahr 2010. Man bedenke meine Unerfahrenheit von vor vier Jahren. Allerdings gefällt mir der Text gar nicht allzu schlecht. Wenn es euch interessiert, zeige ich euch gerne, was eine Überarbeitung aus diesem Text gemacht hat. Oder eine weitere Szene aus dieser Story, die leider bis heute unvollendet geblieben ist. Was mir beim Durchlesen nach vier Jahren auffällt ist, dass die Charaktere (die Zwillinge) sehr, sehr jung wirken. Sie wirken nicht wie im heiratsfähigen Alter, sondern ungeduldig und trotzig. Was denkt ihr? Fällt es euch auch auf? Ich hoffe, dieser Text versüsst euch das Warten auf meinen Debütroman. Falls dann jemand darauf wartet =)

Die Frage, ob wohl allen feinen Damen in dieser Welt bloss die langweiligen Arbeiten zukamen, beschäftigte Abigail sehr oft. Sobald sie mit Nähen begann nämlich. Dann flogen ihre Gedanken hinaus in die Welt, verliessen den einengenden Raum, in dem das Mädchen der eintönigen Beschäftigung nachging. Gemeinsam mit ihrer Mutter und ihrer Zwillingsschwester Aurelia sass Abigail fast jeden Nachmittag in dem grossen Wohnzimmer auf der Mullberry Farm und kämpfte mit einer Handarbeit. Manchmal las Mrs George dann auch aus einem Buch vor, an dem ihr Töchter aber selten interessiert waren. Waren Nachbarinnen zu Besuch, nähten, stickten oder strickten diese ebenfalls mit. Abigail George war genervt ab diesen Stunden. Sie war nicht dazu geschaffen, stundenlang herumzusitzen und ihrer Meinung nach waren dies unnötige Arbeiten, die bei Bedarf auch genauso gut von Bediensteten ausgeführt werden konnten. Ausreiten war, was sie wollte. „Psst, Abby“, machte Aurelia bloss, als Abigail den Vorschlag ihrer um Minuten älteren Schwester machen wollte. Diese war zu diesem Thema ohnehin nicht einer Meinung mit Abigail. Aurelia mochte die beschauliche Handarbeit lieber als die Freiheit des Reitens.

„Aurelia und ich werden jetzt ausreiten“, verkündete Abigail Minuten später, ohne Rücksicht auf den Willen ihrer Zwillingsschwester. Der Widerspruch ihrer Mutter liess nicht auf sich warten. „Auf keinen Fall reitet ihr heute noch aus. Was fällt dir denn ein Abigail? Wir erwarten Gäste zum Abendessen und ich will nicht dass du und deine Schwester nach Stall riechen.“, vereitelt war Abbys Plan und die Mutter setzte, wohlwissend, dass sie die Oberhand behalten würde, noch einen drauf. „Wichtige Gäste für euch, wenn ihr versteht. Ihr seid schliesslich im heiratsfähigen Alter. Eure potentiellen Ehemänner sollen doch nicht glauben ihr seid vollkommen unzivilisiert und verwildert, oder?“ Der schnippische Ton hatte jeglichen Protest unterbunden und mit einem letzten, bösen Blick verliess Mrs. George das Zimmer. Abigail tat es richtig leid, dass Aurelia unschuldig zum Opfer ihrer strengen Mutter geworden war. Mit einem zerknirschten Blick bat sie ihre Schwester stumm um Vergebung. Diese lächelte besänftigend und drückte Abigails Arm. Obwohl die zwei verschieden waren wie Flut und Ebbe, verstanden sie sich meist blendend. „Ich habe Parcival schon zwei Tage nicht mehr bewegt“, ereiferte sich das Mädchen bereits weiter mit leicht geröteten Wangen, die ihre Erregung zeigten. „Aber Abby, für etwas haben wir doch die Stallburschen eingestellt“, lachte Aurelia über ihre aufgewühlte Schwester. „Auf keinen Fall dafür, dass mein Pferd sie mehr sieht als mich, während ich hier drinnen ersticke und versauere“, frustriert warf Abigail die Häkelarbeit auf den Nähtisch. Sie erhob sich und streckte und reckte ihre kleinen, zierlichen Glieder, um anschliessend ungeniert mit weit geöffnetem Mund zu gähnen. Aurelia drohte ihr lachend mit dem Finger. „Wie kommt es bloss, dass du so furchtbar ungezogen bist?“, fragte sie, doch der gespielte Ernst versteckte schlecht das warme Lächeln. Doch für eine Antwort von Abigails Seite blieb keine Zeit. Aus der Diele erklang ein spitzer Schrei, der die beiden jungen Mädchen erschrocken aufhorchen liess.

Beide Mädchen rannten so schnell sie konnten und zudem ziemlich undamenhaft auf dem Wohnzimmer. In der Diele fanden sie ihre Mutter, die sich schwer atmend am dem Treppengeländer festklammerte. Abigail und Aurelia legten ihre Hände auf den knochigen Rücken von Mrs. George. "Was ist passiert, Mutter?", erkundigte sich die ältere Aurelia besorgt. Doch die Angesprochene keuchte nur und dieser Umstand veranlasste die Zwillingsschwestern, einen weiteren besorgten Blick zu wechseln. Abigail rannte hinaus in den Hof, um ihren Vater zu suchen, der um diese Zeit von den Feldern zurückkehren sollte, während Aurelia die Mutter sanft die enge Treppe hinauf in ihr Zimmer begleitete. Die Jüngere durchsuchte den Stall, bevor sie den Gesuchten in der Scheune fand.

Jeremy George wurde rabiat von seiner zarten Tochter über den Hofplatz gezerrt, auch für die dort angebundenen Pferde hatte die junge Frau keinen Blick. „Mutter ist sehr krank. Es geht ihr auf jeden Fall nicht gut“, keuchte Abigail aufgeregt. Von der Eile fiel ihr das Atmen schwer. Dass sich seine Jüngste Sorgen um ihre Mutter machte, beunruhigte Mr. George. Das Verhältnis zwischen den zwei war nicht das Beste, von all seinen Kindern lehnte sich Abigail am meisten gegen die Eltern, insbesondere die Mutter auf. Dazu kam, dass das Mädchen zu unbekümmert war um sich schnell aufzuregen. Aus diesen Gründen eilte auch der Farmer hinter seiner Tochter hastig die Treppe empor. Unterwegs wies er Percy, den alten Knecht an, nach einem Arzt zu schicken.
Kurze Zeit später stand Jeremy zwischen seinen Töchtern am Bett seiner bleichen Frau und hielt deren Hand. Sein Ältester, Alec war ebenfalls nach Monroe geritten, um gemeinsam mit Percy auf dem schnellsten Weg einen Arzt auf die Mullberry Farm zu schaffen.

Als ihre Mutter bereits wieder die ersten Befehle erteilte, wusste Abigail, dass es ihr besser ging, doch sie fand den Mut nicht, ihren Vater nach der Erlaubnis zum Ausreiten zu fragen. Dieser schickte seine Töchter auch in die Eingangshalle, so dass das Mädchen nicht mehr die Gelegenheit zum Fragen hatte. Unten sollten die beiden auf Alec und den Arzt warten.
Hufegetrappel im Hof kündigte alsbald das Kommen der Erwarteten an und Aurelia öffnete weit die Tür. Obwohl sich die Familie George längst einen Butler hätte leisten können, empfingen sie ihre Gäste selber. In vielen Diskussionen hatte Jeremy seiner verwöhnten Frau, die an einen luxuriösen Lebensstil gewöhnt war, erklären können, dass so was nicht auf eine Farm passe und wenn diese noch hundertmal die Vornehmste im ganzen County war. An Köchin, Zimmermädchen und früher an Kinderfrauen hatte sich der gutmütige Farmer, der aus einfacheren Verhältnissen stammte als seine Frau, zwangsläufig gewöhnt.
„Wieso drei?“, Abigail zählte erstaunt die Ankommenden. Mister Willis, der neben ihrem stattlichen Bruder Alexander herschlurfte, war den Mädchen aus ihren Kinderjahren bestens bekannt. Es hiess, dass der Alte mindestens ebenso viele Tiere wie Menschen geheilt habe. Er war ein komischer Kauz, aber überaus gutmütig. Er gehörte zu den wenigen Menschen in der Umgebung, der noch nie von dem aufbrausenden Wesen der Mrs. George beeindruckt gewesen war. Der dritte Ankommende, ein junger Mann, der auf Abigail schlicht, aber sympathisch wirkte, betrat das Haus als Letzter. „Mister Dawson ist mein neuer Assistent“, erklärte der alte Arzt und der Vorgestellte versank in einen Knicks, um die jungen Damen sogleich mit einem Handkuss zu begrüssen. Als der alte Mr. Willis seinem Assistenten ins Ohr raunte, dass er besser unten warten solle, da die Patientin etwas schwierig sei, konnte Abigail sich nicht mehr halten und lachte hell auf. Auch unter den missbilligenden Blicken ihrer Geschwister konnte sie sich nicht beherrschen. Alec begelitete kopfschüttelnd den Arzt ins obere Stockwerk. Sobald Aurelia und sie mit dem jungen Assistenten alleine waren, schlug Abigail einen neugierigen Plauderton an. „Woher kommen Sie, Mr. Dawson?“

Mit einem Zischen griff Aurelia nach dem Arm ihrer Zwillingsschwester. "Bist du verrückt? Man spricht doch nicht mit fremden Männern!", raunte sie erbost. "Aber jetzt ist er nunmal da", erwiderte Abigail fröhlich und wandte sich wieder dem Assistenzarzt zu. Dieser schmunzelte amüsiert, versuchte dies aber zu verbergen. "Ich stamme aus Kanada Miss George. Aber ich lebe in Monroe mit meiner Familie.", beantwortete er ohne zu Zögern ihre Frage und lächelte Auerlia beruhigend zu. "Machen Sie sich keine Sorgen Miss George", besänftigte er und Abigails Schwester errötete. Der junge Mann schien aber ebenfalls verwirrt, vorallem ab der unverkennbaren Ähnlichkeit der beiden jungen Schönheiten. "Verraten Sie mir Ihren Vornamen?", Abigail wusste selber, dass sie zu weit ging, doch der junge, sympathische Mann hatte eine schöne Stimme und sie hätte es schade gefunden, schweigend auf Mr. Willis zu warten. "Nun, das könnte ich mir überlegen, wenn Sie mir den ihren nennen Miss Willis. Sie beide am Besten", neckte Mr Dawson. Die Ältere war inzwischen vollkommen errötet, doch Abigail blickte den Mann etwas hochmütig und sehr gelassen an, das Kinn etwas nach vorne geschoben. "Aurelia", flüsterte ihre Zwillingsschwester kaum hörbar, worauf ihr erneut die Hand von dem Assistenzarzt geküsst wurde.

Als sich der junge Mann aber Abigail zuwandte, zog er die Augenbrauen etwas höher. Es war deutlich, dass ihn die freche und selbstbewusste Art neben ihrer wohlerzogenen Schwester erstaunte. Seiner Kleidung und Sprache nach, stammte er nicht aus der selben Gesellschaftsschicht wie Abigail und ihrer Familie, darum schien er auch nicht zu wissen, dass es unschicklich war, wie das Mädchen ihn so keck in ein Gespräch verwickelte. Deren Blick behielt einen Rest Herablassung bei, als sie ihren Namen nannte. Dieser gefiel Mr. Dawson offensichtlich und es schien, als wolle er ihn auf der Zunge zergehen lassen, „Abigail“, und schnell fügte er an „erfreut“, und küsste auch der Jüngeren die Hand. „Jeffrey Dawson“, stellte er sich danach gemäss Abmachung mit Vornamen vor. Abigail wusste nicht, was den Wunsch auslöste, doch sie wiederholte ebenfalls den Namen des jungen Arztes. Um diese Sanftheit vergessen zu machen, nickte sie ihm knapp zu und meine bloss: „Schön“.

In diesem Augenblick wurde Aurelia von ihrem Vater aus dem oberen Stockwerk um eine Schüssel Wasser gebeten. Mit einem letzten warnenden Blick auf ihre vorlaute Zwillingsschwester verschwand sie. Abigail verstand Aurelias Blick sehr wohl, doch sie steckte gerade in einem eigenen Konflikt. Sie hatte nämlich in Wirklichkeit keine Ahnung, wie man mit jungen Männern, die nicht ihr Bruder Alec waren, kommunizierte. Musste sie Jeffrey nun Du oder Sie sagen? Mr. Dawson oder Jeffrey? „Sind Sie schon lange Arzt?“, fragte sie schliesslich und ärgerte sich über sich selber, dass sie auf einmal so schüchtern geworden war. „Nein, Miss George“, kam die Antwort und das Mädchen spürte, dass auch ihr Gegenüber von Unsicherheit befallen worden war. Diese Tatsache machte sie selber wieder viel sicherer und ungerührter als zuvor lauschte sie der restlichen Antwort des jungen Arztes, der von seinem Studium erzählte. „Und nun wollen Sie die Praxis von Mister Willis übernehmen?“, erkundigte Abigail sich neugierig. Jeffrey zuckte mit den Schultern. „Ich werde zuerst in den Krieg ziehen. Danach sehe ich weiter, falls ich zurückkehre.“, erklärte er. Abigails Augen waren immer grösser geworden, während Jeffrey geredet hatte.

„Sie sind so mutig Mister Dawson. Bedeutet Ihnen die Verteidigung Ihrer Ideale auch soviel?“, fragte sie eifrig. Abigail war in Gedanken so tief im Gespräch versunken, dass die Frage von Schicklichkeit längst vergessen war. Sie war aber trotzdem erstaunt, als der junge Arzt den Kopf schüttelte. „Ich verspüre kein Bedürfnis, für die Ideale, die nicht meine sind, anderen Männern, die dies vielleicht auch nicht wollen, Kugeln in den Kopf zu schiessen Miss George.“, kam Mr. Dawsons heftige Antwort. Sofort fühlte sich Abigail dadurch persönlich angegriffen. Ihr Stolz liess nicht zu, dass ein Fremder, dessen Herkunft zudem einiges niedriger schien als ihre eigene, in diesem Ton mit ihr sprach. „Mr. Dawson“, ihre Stimme klang kühl und troff vor Arroganz. „Sie müssen wissen, dass es in unseren Kreisen üblich ist, aus edleren Motiven in den Krieg zu ziehen als aus reiner Geldgier.“ Zwar hatte sie sofort richtig erkannt, dass es dem jungen Mann um das Geld ging, das er als Soldat verdiente, doch hatte sie damit anscheinend einen wunden Punkt Mr. Dawsons getroffen.

Dieser atmete zischend und hörbar ein, ein Muskel neben seiner Nase zuckte und er schwieg eine ganze Weile. Richtig unbehaglich begann sich Abigail zu fühlen, bis der Mann endlich antwortete. „Und in unseren Kreisen ist es üblich, Streits ohne Blutvergiessen zu beseitigen Miss George. Aber Sie sind bloss ein unverschämtes, arrogantes Ding, das keine Ahnung hat, was in der Welt ausserhalb seiner vornehmen Familie vor sich geht. Suchen Sie doch zuerst ein bisschen Reife und Weisheit zu erlangen, bevor Sie sich über Kreise unterhalten wollen, die Sie nicht einmal kennen! Sie merken nicht einmal, wie abstossend verwöhnt Sie sind, Miss.“, spuckte Jeffrey Dawson seine Entgegnung regelrecht aus. Mit einem knappen Knicks drehte er sich um, und verliess das Farmhaus. Als der Vater mit dem Arzt herunter kam, fand er nur noch seine Tochter Abigail vor, die nervös auf- und abging. Sie war zu stolz, um dem Mr. George oder auch Mr. Willis von der ihr widerfahrenen Beleidigung zu erzählen. Ihr hochroter Kopf sprach für sich, doch die beiden Männer waren in ein Gespräch vertieft. Zum Abschied tätschelte der alte Arzt dem Mädchen die Wange, „Seien Sie unbesorgt Miss George, ihre Mutter kommt bald wieder auf die Beine.“ Automatisch nickte Abigail. „Geh doch zu ihr, Abby“, meinte der Vater und sie stieg folgsam die Treppen hoch.

Eure Tintenhexe

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